Christian Pläge +41 79 4 73
52 10
Birgit Wientzek Pläge +41 79 2 74 27 67
Fax +41 32 6 37 08 53
Betreff: REGENT an der EM 2009
Sehr geehrter Herr Pläge, Heidelberg, den 27.08.09
es kommt selten vor, dass ich meine Meinung einem Reiter kundtue, aber in diesem Falle ist es mir ein dringendes Bedürfnis.
Frau Elisabeth Weiland, eine Bekannte von mir, gab mir freundlicherweise Ihre E-Mail- Adresse hierzu und lässt Sie bei dieser Gelegenheit herzlich grüßen.
Ich bin eine 32 Jahre alte Lehrerin aus Süddeutschland und verfolge den internationalen Dressursport seit Seoul 1988, mit etwas mehr Fachkenntnis dann wohl ab Barcelona 1992.
So erinnere ich mich auch durchaus an Ihre "hessische Zeit", insbesondere an Heuriger und Showmaster, weniger an Silvano, den ich nur mit Ellen Bontje sah.
Als Freundin einer Islandpferdezüchterin meine mich auch zu entsinnen, dass Sie in dieser Zeit sogar einmal Jolly Schrenck aus dem Islandpferdelager geholfen haben und das mit Erfolg.
Nun sehe ich Sie schon einige Jahre, teilweise auch in der Schweiz, deren Dressursport ich seit vielen Jahren durch verschiedene Freundschaften verbunden bin, mit REGENT reiten.
Es war nahezu immer eine Wohltat dies zu sehen. Besonders viel Freude hatte ich 2006, als ich mit meinen Schweizer Freunden bei der WM in Aachen in der Kür bejubeln durfte, wie Regent bei einem tobenden Stadion mit 50 000 Menschen vertrauensvoll am langen Zügel zur Grußaufstellung stand und wartete.
Dieses Jahr hatte ich in Wiesbaden die Ehre, wieder viel Freude an so einem gut gerittenen, immer noch geschmeidigen und zufriedenen Pferd von immerhin
17 Jahren.
Die EM in Windsor, die ich leider nur vorm Computer via FEI TV verfolgen kann, setzte dem noch einen darauf.
Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich die derzeitige Entwicklung des Dressursports mehr als bedaure und Angst habe, dass man sich mehr und mehr den eigentlichen Idealen entfernt, indem man gewisse Pferde gnadenlos hochrichtet.
Ich habe mich nicht über die Bewegungen eines Totilas gefreut, sie sind mehr als unnatürlich und wirken unter großer Spannung erzeugt.
Ich kann mich nicht freuen, wenn Pferde so gehen, egal wie spektakulär sie wirken mögen.
Daher möchte ich Ihnen sagen, wie wunderbar es war, REGENT zu sehen, insbesondere im Grand Prix. Er war so losgelassen und zufrieden, dass mir die Tränen der Rührung herunterliefen (als Frau mag ich ja etwas nah am Wasser gebaut sein, dennoch...), dass es solche Pferde noch immer gibt.
Für mich war er der wahre Sieger dieses Grand Prix, er erfüllte die Ideale, die man anstreben sollte.
Man hat nach Athen 2004 schon ein Pferd zum "happy athlete" gekürt, das meiner persönlichen Meinung nach weit davon entfernt ist, sich wirklich wohl zu fühlen und das das auch deutlich zeigt.
Regent dagegen ist seit Jahren beständig ein "happy athlete", man muss ihm ja nurmal in seine zufriedenen Augen schauen.
Ich weiß, dass Ihnen die Anerkennung dieses durch ein internationales Richterkollegium viel lieber wäre als durch mich Unbekannte.
Dennoch wollte ich meine zum Ausdruck bringen und hoffe sehr, dass Regent noch ein Jahr gehen wird und ich nochmals die Möglichkeit habe, ihn sehen zu dürfen.
Mit freundlichen Grüßen
S.R.